Hulda Zwingli, anonymes Künstlerinnen-Kollektiv

wurde 2019 am Tag des Frauenstreiks in der Schweiz gegründet.

Förderbeitrag 2026 – Buchpublikation «Hulda Zwingli, ein anonymes Kunstprojekt»

Hulda Zwingli wurde am 14. Juni 2019, dem Tag des Frauenstreiks, gezeugt und 2020 geboren. Ihre Wirkungsmacht und argumentative Unabhängigkeit potenzieren sich durch den Zusammenschluss verschiedener Persönlichkeiten: Zum einen steht Hulda Zwingli für ein anonymes Kollektiv, das aus Frauen der Kulturszene besteht. Zum anderen agiert sie als pseudohistorische Kunstfigur, deren Name sich sowohl auf die Kunstsammlerin und Wirtin der Züricher „Kronenhalle“ Hulda Zumsteg als auch auf den Reformator Huldrych Zwingli bezieht.

Während der Corona-Pandemie starteten die Akteurinnen ein Instagram-Projekt, das auf humorvolle Weise das einseitige Geschlechterverhältnis im Kunstbetrieb, sowie die mangelnde Diversität und Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in den Fokus rückte.

Was zunächst lokal und niederschwellig begann, entwickelte sich rasch zu einer breit gefächerten, international wahrgenommenen Bewegung. Unabhängig von einer individuellen Autorenschaft kommentierte man in Ausstellungen, Interviews und Lesungen beispielsweise eine Feststellung der Pro Helvetia-Studie von 2021: „Je prestigeträchtiger die Häuser, desto weniger Künstlerinnen wurden ausgestellt.“

Als Gegengewicht zur Flüchtigkeit der digitalen Welt soll die haptisch erfahrbare Buchpublikation „Hulda Zwingli, ein anonymes Kunstprojekt“ die rund fünfjährige Lebens- und Erfahrungswelt des Kollektivs dokumentieren.

Mit den rund 500 Text- und Bildbeiträgen des aufwändig gestalteten, künstlerischen Buches bewahrt das Kollektiv nicht nur die Erinnerung an seine vielstimmige Praxis, sondern eröffnet auch einen Reflexionsraum über Autorenschaft, Sichtbarkeit und die Zukunft feministischer Kunst im öffentlichen Diskurs.

Text © Antje Lechleiter

Jury:
Atina Tabé, Preisträgerin des Förderpreises 2025, Schauspielerin und Autorin, Solothurn
Dr. Antje Lechleiter, Kunsthistorikerin, Freiburg im Breisgau
Susanne König, Galeristin der Galerie König Büro, Zürich
Manuela Wurch, Stiftungsleitung und Künstlerin, Solothurn
Thomas Spycher, Stiftungsassistenz, Zürich

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Selbstportrait, Hulda Zwingli, 2020, nach einem Portrait der Regula Gwalther-Zwingli und Anna Gwalther, Hans Asper, 1549, Foto: Zentralbibliothek Zürich